Donnerstag, 28. Juni 2007

mal ein paar alltagsstories

aus irgendeinem unerklaerlichen grund hab ich momentan keinen zugriff auf meinen mail account, sorry also falls ihr auf antwort wartet..

ich hab letztes mal angetoent dass ich laenger bleiben werde, voraussichtlich bis november. ich bin sehr gluecklich, bin umgeben von wundervollen menschen und hab zum ersten mal in meinem leben einen job der mich wirklich erfuellt. natuerlich ist nicht immer alles lustig, aber ich hab das gefuehl etwas sinnvolles beitragen zu koennen. insbesondere was den franzoesisch unterricht betrifft. die primarschule hat keinen franzoesischlehrer, es gibt nur einen lehrer fuer die Sekundarschule und der kommt nur 3 stunden die woche (die schule zahlt nicht genug, sagt er).
ausserdem hab ich nach 3 wochen entdeckt, dass es 2 maedchen in der 5.klasse gibt, die weder lesen noch schreiben koennen (kein witz, niemand hat mich darueber informiert, die meisten anderen lehrer ignorieren solche faelle einfach). sie heissen Ruth und Rosemary und waren vorher auf anderen schulen auf dem land (die kinder in golden era school koennen alle bereits im kindergarten lesen und schreiben) ich unterrichte sie jetzt jeden tag 1-2 stunden, sie machen ganz schoen fortschritte und ich moechte gern bleiben bis beide lesen koennen.

letztes wochenende hatten wir einen workshop gemeinsam mit allen Lehrern und Volunteers aus Accra und Umgebung. Es war spannend zu sehen wie es den volunteers in den anderen schulen so geht. es sind immer aehnliche probleme: der gebrauch der kanes (diese holzstoecke mit denen die lehrer die kinder schlagen), die gewalt unter den schuelern (oh wunder, woher sie wohl lernen dass der staerkere den schwaecheren schlaegt?????), die infrastruktur (anscheinend koennen wir uns gluecklich schaetzen, andere schulen haben nicht mal tische) und die art des unterrichts (auswendiglernen ist hier deutlich mehr gefragt als kritisches denken).

es war eine sehr interessante diskussion und wir haben uns darauf geeinigt den gebrauch der kanes auf ein minimum zu reduzieren. natuerlich kommt das dem ideal einer gewaltfreien erziehung nicht gerade nahe, aber besser als nichts.
obwohl die meisten lehrer nicht ganz ohne gewalt auskommen, gibt es dennoch sehr gute paedagogen hier: maxwell, mary, emmanuel und seth zum beispiel. von denen kann ich sehr viel lernen...
wenn ich etwas in den letzten 7 wochen gelernt habe, dann, dass es zwischen schwarz und weiss viele graustufen gibt. der schulleiter (mein Hostvater Mr Aboagye) ist gegen die kanes, aber er schafft es nicht sich durchzusetzen. viele lehrer haben nicht unbedingt freude dran die kinder zu schlagen, sagen aber,dass sie das muessen ,weil die kinder das von daheim gewoehnt sind und nicht auf andere methoden reagieren und manche eltern wuenschen das sogar.... naja... aber es ist seit dem workshop besser geworden. insbesondere weil wir auch alternative bestrafungsmethoden besprochen haben. der hammer war als mr aboagye "constructive punishment" vorgeschlagen hat, zum beispiel sollen kinder zur strafe das schulhausareal jaeten. ein anderer lehrer (gott sei dank nicht von unserer schule) hat dann entgegnet, das sei nicht gut, weil die kinder so eine negative einstellung zur landwirtschaft bekommen wuerden... oh klar, pruegeln ist deutlich besser...
ich hatte aber auch einige krasse erlebnisse bei uns. vor 2 wochen hab ich mich mit angela (einem maedchen aus der 6.klasse) unterhalten und gesehen dass sie eine 5 cm lange offene Fleischwunde am arm hat. ich hab sie gefragt ob sie hingefallen sei und sie meint nur "it was the computer teacher, last week". anscheinend wollte sie ihm nicht den schwamm zum tafelputzen geben und das war ihm anlass genug sie derart mit dem stock zu verpruegeln. der typ ist echt das allerletzte, so ein sadistisches schwein...fast 1.90 gross und dann kleine maedchen pruegeln... und sie hat sich nicht mal getraut es ihren eltern oder mr aboagye zu zeigen. ich hab das dann mr aboagye gezeigt und er hat mit ihm gesprochen und hat ihm gesagt, wenn sowas nochmal passiert ist er fristlos gekuendigt.
naja, das klingt jetzt alles ganz schoen krass aber die positiven erlebnisse ueberwiegen klar. zum beispiel die fortschritte meiner schueler und die wissbegierde der kinder - wenn ich mal 5 minuten pause mache und irgendwo sitze kommt garantiert eine horde kinder an und sagt "please, come and teach us..."
heute hatten wir proben fuer die graduation feier anfang august. die kinder haben u.a. 5 taenze gelernt - es ist krass wie gut das rythmus gefuehl der kinder ist und wie schnell sie die taenze lernen...
ohje, meine minutes sind durch....

Sonntag, 17. Juni 2007

trip to capecoast, the chillin sistas, etc

schon wieder 2 wochen durch...

lisbeth (mein roommate) und ich verstehen uns super - sie ist superlustig, unkompliziert und sehr engagiert... ich hatte echt wieder mal nur glueck ;-)

letztes wochenende waren wir mit lauren und natasha (2 anderen volunteers aus den usa die in einer schule in der naehe von uns arbeiten) in capecoast. Capecoast ist die ehemalige hauptstadt ghanas und war leider auch eine art hauptstadt des sklavenhandels vom 17.-19 jahrhundert. wir haben capecoast castle besichtigt, eine sklavenburg von der aus zigtausende von sklaven nach amerika und europa verschifft wurden. es ist unglaublich beklemmend in diesen riesigen stockdusteren kerkern zu stehen... und dann durch die 'door of no return' zu laufen, die tuer durch die alle sklaven vor der verschiffung gehen mussten.... das perverseste ueberhaupt ist aber der luxurioese wohntrakt der britischen sklavenhaendler im 1.stock... wenn ich es mit etwas vergleichen kann dann wohl mit auschwitz, aehnlich beklemmend und auch hier die nachkommenden der ueberlebenden /opfer die hoffen durch den besuch mehr ueber ihre vorfahren/wurzeln/vergangenheit zu erfahren...
capecoast besitzt zudem 2 forts, eines davon haben wir besichtigt, fort victoria - wahnsinnige aussicht ueber die bucht von capecoast und die schule die kofi annaan besucht hat ist nur einen steinwurf entfernt... die familie die die fuehrungen organisiert, hat uns dann noch zu sich heim eingeladen und uns trommeln und tanzen beigebracht - oder so aehnlich... war auf alle faelle lustig... und da ich jeden morgen mit den kids von kindergarten und nursery reggae tanze (gospel singen allein langt wohl nicht) hab ich ohnehin kein schamgefuehl mehr...
abends waren wir dann in einem spot,so nennt man die bars hier... weggehen ist uebrigens echt super in ghana, es gibt endlos viele kleine spots die aus einer bar, einer mischung aus klo und holzverschlag und 10 riesigen lautsprechern/boxen bestehen...und aus den boxen droehnt highlife - das ist ein musikstil den es nur in ghana gibt: irgendwas zwischen reggae, hiphop und buschtrommel, gesungen in twi oder einer anderen local language und einfach nur unglaublich tanzbar... und da parties hier gegen 9 uhr den zenit erreichen kann man am naechsten morgen problemlos frueh aufstehen... ausserdem trinkt kaum jemand mehr als ein bier - wenn ueberhaupt. es gibt hier ja auch keine raucher... das liegt daran dass alle religionen was dagegen haben und die ghanaer ohnehin so lebensfroh sind, dass mehr als ein bier sie zum ueberkochen bringen wuerde...glaube ich zumindest - ich hab noch nie so viel gelacht wie seit ich hier bin.
zum beispiel: wir haben mal wieder stromausfall und auntie akosu und ich sitzen im dunkeln. adua kommt rein und sagt: "berit, i can see you but i can't see auntie akosu - she is just too dark...black monkeys, haha..." das ist zwar sowas von politisch unkorrekt aber alle findens lustig...
oder neulich in der 2.klasse, ich schreib an die wandtafel, jelvin (8jahre alt...) streckt auf und ruft: "madam berit, madam berit, your buttocks looks very fresh in these trousers"... seither muss ich mir jedesmal kommentare ueber meinen "fresh butt" anhoeren wenn ich mal nicht grad im schlabberlook auftauch... :-)

zurueck zu capecoast: am tag darauf waren wir im kakum national park, das erste mal im regenwald juhui... wir haben so einen kanope walk gemacht, das ist so eine ewig lange haengebruecke in 50 meter hoehe - man laeuft zwischen den baumwipfeln und guckt einfach nur tiiiiiiiiiief runter.... gott sei dank hab ich keine hoehenangst....

die beiden anderen volunteers (carly und alyshia aus UK) sind etwas schwierig, bleiben aber zum glueck nur fuer einen monat... zuerst hatten sie eine woche lang durchfall, das hat mir ja noch leid getan. aber dann... sie sind nur am jammern, nix ist gut genug fuer sie... die leute hier haben auch schon ferngesehen und sind sich schon darueber bewusst dass ihre standards nicht mit europa und usa mithalten koennen, man braucht das nicht auch noch staendig zu erwaehnen...
weil lisbeth und ich im vergleich mit denen eher unkompliziert sind, nennen uns jetzt alle nur noch the chillin sistas...

oje meine minutes sind gleich durch... bye....

ach ja, ich bleib uebrigens laenger, bis november oder so...

Samstag, 2. Juni 2007

kumasi

nur noch eine kurze erklaerung zu den anderen fotos (das mit der bildbeschriftung muss ich echt noch ueben :-)
das foto mit den autos drauf ist vom central market in kumasi (das ist der groesste markt in westafrika - ein abartiges gewusel, aber lustig....)
ich war eben diese woche mit gunadiish in kumasi, das ist die zweitgroesste stadt ghanas, ca 5 stunden mit dem bus entfernt. wir haben eine schule in kumasi besichtigt, die auch gern bei kidsworldwide mitmachen will. ausserdem haben wir noch Pilar einen Besuch abgestattet - das ist ein Maedel aus uruguay die in Kumasi als Volunteer arbeitet. (Sie ist auch auf dem foto drauf wo wir auf der strasse laufen). Pilar hat 2 Tage bei uns in Accra gewohnt, bevor sie nach Kumasi ist. Ohnehin kommen staendig irgendwelche volunteers als Transfergaeste zu uns bevor sie weiterfahren zu anderen Projekten in Ejura, Ho, Kumasi etc, so z.b. gestern Emily aus den USA. Das ist ziemlich cool, weil ich so schon einige Leute in anderen Staedten kenne und bald ganz Ghana bereisen kann ohne unnoetig Geld fuer Hostels auszugeben... :-)

Seit gestern wohnt nun auch Lisbeth bei uns, sie kommt aus den USA (San Diego) und teilt fuer die naechsten 3 monate das zimmer mit mir. Sie hat auch internationale Beziehungen studiert und ich glaub wir werden sehr viel spass zusammen haben... :-)

jetzt muss ich aber los, wir holen gleich Carlie und Alyshia am Flughafen ab, das sind die anderen zwei Volunteers die mit mir hier arbeiten.......






hier also endlich mal ein paar fotos...habs noch nicht so ganz im griff mit der anordnung und internet ist wieder mal so langsam dass ich keine lust hab das ewig zu probieren...
meine familie von links nach rechts: melody, emin, rebecca, kwame und kofi (der kleine im weissen hemd auf den anderen fotos ist auch kwame). die mutti auf dem bild mit dem blauen tor im hintergrund ist antie akos...






































das bin ich vor dem black star monument - das steht dafuer dass ghana afrikas stern scheinen lassen will und es steht auf allen seiten 'freedom and justice' drauf...