jetzt bin ich schon fast zwei wochen in accra und es wird langsam aber sicher zeit dass ich mal wieder was von mir hoeren lasse...
ich hab mich mittlerweile ganz gut eingewoehnt. Das heisst ich verstehe mehr oder weniger gut Pidgin English (eine Art English das in ganz Westafrika gesprochen wird und das sich nicht wirklich um Grammatik und so Krams schert und komische Woerter verwendet). "Can I escort you?" heisst so viel wie darf ich mitkommen und "Madam, may I urinate?" sagen die Kinder wenn sie aufs Klo muessen... Eine residential area ist "this place is all estate" etc... aber solange die Leute nicht zuviel woerter von den local languages reinmischen - von denen gibt es noch mal ca 40 - geht es so einigermassen.
zudem kann ich bereits alleine TroTro fahren - das sind so Sammeltaxis wo mindestens 20 Leute reingequetscht werden und die einen dann von A nach B bringen. Das Ganze ist fuer Anfaenger etwas schwierig, da Start und Ziel nirgendwo angeschrieben sind. Das heisst, an den grossen LorryStations fragt man sich durch, bis man unter den 120 TroTros dasjenige ausgemacht hat das in die jeweilige gewuenschte Richtung faehrt. Oder man steht am Strassenrand und versucht zu verstehen welche Destination der Mate (das ist der Typ der das Geld einkassiert) aus dem Fenster schreit. Natuerlich gibt es auch keine richtigen Haltestellen...
Lustig ist auch dass zwar jede strasse in Accra einen Namen hat, aber kein Mensch diese Namen kennt. Die Leute orientieren sich vor allem an Gebaeuden. Das ist auch einfacher da die meisten Gebaude nur 1 oder 2 stoeckig sind und man daher jedes Hotel oder Business Center von weitem sieht. Ich wohne zum beispiel in der naehe vom Lapaz Market bei dem Kata Hostel. Ich dachte ja zuerst dass ich in Adabraka (das ist der Stadtteil den meine Gastfamilie als Postadresse erwaehnt hat) wohnen wuerde. Aber hier gibt es keine postzustellung (weswegen einem die Postadresse auch nicht weiterhilft) sondern jeder hat ein Postfach bei einer der grossen Poststationen...
Aber obwohl alles ein bisschen laenger geht und einiges gar nicht (zum Beispiel fliessendes Wasser oder zuverlaessige Stromversorgung etc) gefaellt es mir super. Alles ist sehr viel entspannter hier und es geht mehr ums hier und jetzt als morgen und gestern und das ist gut so. Gestern wollte ich ins Internet Cafe, nach 2 stunden Trotro Fahrt war ich im Zentrum, leider ging aber das Internet nicht und dann hab ich mich halt ein paar Stunden mit den Leuten unterhalten die in dem Cafe rumgehangen sind... keiner stresst hier bloed rum nur weil mal etwas nicht klappt, irgendwie kann man sich immer arrangieren...
Ich fuehle mich auch total wohl in meiner Gastfamilie und blicke mittlerweile auch durch wer mit wem wie verwandt ist. Wir leben in einem grossen eingezaeunten Grundstueck mit einem Haupthaus und zwei Nebenhaeusern. Im Haupthaus wohnt Mr Aboagye (der Rektor von der Schule) und Kofi (der juengste Sohn), Auntie Adua (die juengste Tochter) und Auntie Akos (die aelteste Tochter) mit ihrem Sohn Kwame (mein absoluter Schatz - wenn er etwas aelter als 4 Jahre alt waere wuerde ich ihn vom Fleck weg heiraten). Die anderen Kinder (es sind insgesamt 6) und seine Frau sind in London, seine Frau bleibt aber nur fuer 4 Monate da weil einer der Soehne Nachwuchs bekommen hat. Im einen Nebenhaus wohnt Auntie Adua Abidjan (die heisst eigentlich Emine und kommt von Cote d'Ivoire aber keiner kann ihren Namen aussprechen darum heisst sie jetzt so...) mit ihrem Freund Eric (die sind beide mit niemandem verwandt). Im dritten Haus wohnen Melody (das Hausmaedchen und gleichzeitig meine liebste naechtliche stundenlang-vor-der-Badezimmertuer-Tratsch-Schwester) und ich. In wenigen Tagen kommen noch drei andere Volunteers, die wohnen dann auch in unserem Haus.
Was die Namen hier betrifft: Wenn eine Frau aelter ist als man selbst kommt das "Auntie" (sprich: Anti) vor den Vornamen, ansonsten Sister (sprich:Sista). Mich nennen hier uebrigens alle Abenaa, so nennt man Frauen die an einem Dienstag geboren sind (fuer jeden Wochentag gibt es einen Namen, zum Beispiel Freitag Kofi, Samstag Kwame bei den Maennern). Ich hab anfangs versucht den Leuten beizubringen wie man Berit ausspricht, aber das haben wir jetzt aufgegeben... :-)
Die Leute auf der Strasse nennen mich oftmals auch Obruuni, das heisst Weisse und von denen gibt es hier wirklich nicht besonders viele. Ich hab noch keine 10 Weisse gesehen seit ich hier bin und da ich der erste Volunteer in der Golden Era School bin, bin ich auch die erste Weisse die manche von den Kindern sehen. Das war anfangs recht krass, vor allem weil die Kinder staendig an mir rumgefingert haben, vor allem meine Haare sind ein Mysterium (is this your real hair???) oder auch die Tatsache dass man bei Weissen die Venen sieht ist anscheinend sehr faszinierend... :-)
aber auntie Akos, Emin und Melody haben es sich zum erklaerten Ziel gemacht aus mir eine richtige "african woman" zu machen. Emin arbeitet in einem Rasta-Saloon und darum hat sie mir nach 4 Tagen erst mal so Zoepfe verpasst - das ganze ging 5 stunden und ich hab seither ca 150 ueberschulterlange Zoepfe... sieht aber gar nicht so schlecht aus :-)
und auntie Akos hat gesagt, dass sie mich nicht eher zurueck in die schweiz laesst als wirklich jeder erkennt wie gut das Essen hier ist.. Das Essen ist zwar wirklich superlecker, aber immer viel zu viel... ich esse ja normalerweise nicht gerade wenig und ich hab es jedenfalls noch kein einziges mal hier geschafft meinen Teller leer zu essen, das soll echt mal was heissen... Kurz, ich hoffe dass ich nicht Auntie Akos Masse habe wenn ich zurueckkomme... Es gibt ohnehin sehr viele Big Mammys hier, aber irgendwie wirkt das bei denen ueberhaupt nicht eklig oder haesslich sondern einfach nur unglaublich weiblich... ich nehme an, auntie Akos hat das Potential meiner doch eher gebaerfreudigen Hueften erkannt....
Noch kurz was ueber das Unterrichten und meinen Schulalltag hier. Es ist eine Herausforderung, aber ich lerne sehr viel und darf auch mal Fehler machen - alle Lehrer sind total verstaendnisvoll wenn ich es mit der Disziplin mal wieder nicht ganz hinkrieg und meine Klasse zu laut wird oder so. Das Problem ist dass die Klassenzimmer nicht sauber voneinander getrennt sind (duenne holzwaende die nicht bis zur decke reichen) und wenn 25 kids auf eine frage antworten wollen dann hoert man das... ich unterrichte nursery (krippe) und kindergarten in Englisch und die Primarschule in Franzoesisch. Die kinder lernen sehr gerne und sind sehr aktiv, das ist wunderbar und wirklich befriedigend. Das Schwierige ist nur die Disziplin und noetige Ruhe aufrechtzuerhalten damit sie lernen koennen. Sogar wenn meine Klasse ruhig ist hoert man die andere Klasse und darum ist der grundlaermpegel relativ hoch. ich muss also schreien damit auch die letzte Reihe mich hoert (da ich mit den kleineren Kindern zudem jeweils Lieder singe wenn sie zu unruhig werden bin ich staendig heiser). Die anderen Lehrer verwenden so kleine Stoecke (sie nennen das Kane) um die Kinder ruhig zu halten - damit knallen sie den kindern eins auf den Hintern oder fahren ihnen ueber die Hand wenn sie zu wild werden. Da ich natuerlich keine Kinder schlage habe ich andere Strafmethoden. Zum beispiel muessen die Kinder bei mir als Strafe irgendwelche Saetze 5o oder 100mal schreiben oder so. Wenn ich rede muessen sie immer die Arme verschraenken damit sie sich auf mich konzentrieren koennen und sich nicht irgendwelche Sachen anwerfen oder so. Ich dachte mir zuerst dass es evtl ohne sowas gehen wuerde aber ohne das ist es unmoeglich den Laermpegel derart im Griff zu haben dass man sie unterrichten kann. Ich habe noch nie so viele hyperaktive Kinder erlebt und ich bin davon ueberzeugt dass das an dem staendigen Gebrauch der "Kanes" liegt - die Kinder sind staendig bereit dem Stock auszuweichen und sind darum nie ruhig genug um sich auf den Unterricht zu konzentrieren... zudem lernen sie ja auch nichts dabei wenn man sie schlaegt, es tut ja nur wenige minuten weh. als ich letztes mal ein maedchen zu 200 saetzen verdonnert hab, hat sie mich gefragt: "Please Madam, why dont you just use the kane on me? Come on, give me 6 lashes instead of these 200 sentences..." Das ist alles nicht ganz einfach, aber wir haben in ein paar wochen einen workshop mit allen Lehrern und Volunteers aller Schulen und da will Gunadiish das zur Sprache bringen...
Mit Gunadiish verstehe ich mich ohnehin sehr gut, vorhin waren wir gerade zusammen in seiner homoeopathischen Klinik um meine Malaria-Prophylaxe abzuholen (hab keine Lust mehr auf Chemie jeden Tag und ausserdem hab ich bisher nur einen einzigen Mueckenstich...). In der Klinik wohnt auch so ein amerikanischer Yoga-Moench (das ganze heisst Baganan Yoga oder so und ist eine richtige Religion, sehr aehnlich wie Hare Krishna) - wir hatten ein sehr interessantes Gespraech ueber Religion und ein leckeres Mittag essen.
Spiritualitaet ist hier superwichtig, jeder gehoert irgendeiner kirche an und alle sind sehr missionarisch veranlagt... so gehe ich morgen mit Gunadiish in die yoga meditation und am dienstag war bei meiner gastfamilie bibelstunde (mein Gastvater ist sehr aktiv bei den Zeugen Jehovas)... zum teil sprechen einen auch Leute im TroTro an ob man schon den Weg zu Gott gefunden habe und ob man nicht mal einer messe der Presbyterian/Apostolic/ Pentecost/Charismatic etc Church beiwohnen wolle... Aber easy , ich schau mir das alles an, aber verpflichte mich zu nichts...
So das wars mal fuers erste... to be continued....
Samstag, 26. Mai 2007
Mittwoch, 16. Mai 2007
8 hours in casablanca...getting started in Accra
entgegen aller warnungen hab ich die 8 stunden in casablanca nun doch nicht sinnlos am flughafen verbraten sondern hab mir mit Romain, einem genfer schmuckdesigner der auch so einen komischen transferflug hatte, den souk von casa angeschaut. Casablanca ist nicht unbedingt schoen, hat aber charme... und ich hatte eine ziemlich unterhaltsame begleitung: Romain handelt mit Schmuck und Kunsthandwerk aus Burkina Faso, Senegal, Mali etc und weil das mit Liefern nicht so klappt, geht er die sachen jeweils selber holen...und hatte einige sehr lustige geschichten zu erzaehlen..
auf dem weiterflug bin ich natuerlich eingeschlafen - wer mich kennt weiss ja wie gut und tief ich ueberall schlafen kann... ich hab nichts von dem stopp in cote d ivoire mitbekommen und auch nicht gemerkt als in accra ploetzlich alle ausgestiegen und neue leute eingestiegen sind...auf alle faelle stand irgendwann mal eine lady vor mir die meine ausreisepapiere sehen wollte und ganz verwundert war dass auf meiner boardingcard casablanca-accra stand und nicht umgekehrt..... ich bin dann nix wie raus, aber mein abholservice natuerlich schon weg (der hatte bereits eine stunde umsonst gewartet...)
aber zum glueck sind hier alle so nett und hilfsbereit, und mich hat dann irgendein bekannter von irgendwem irgendwo hingefahren wo dann Gunadiish auf mich gewartet hat. Gunadiish ist der Koordinator von den Schulprojekten hier, nebenher noch Yogalehrer, Informatiker und Leiter der ersten homoeopathischen Klinik in Ghana... ein bisschen strub, aber sonst glaub ich ganz nett...
ja und jetzt eben Accra - es ist einfach nur heiss....... und schwuel...und darum sind Gunadiish und ich ins internet cafe gefluechtet - und ich komme zum ersten mal seit 50 stunden wieder in den genuss einer klimaanlage :-)
aber ansonsten ist es super bis jetzt - bin zwar noch mittendrin im kulturschock (das dauert wohl noch bis ich mich an die ganzen kinder gewoehne die an meiner haut rubbeln um zu sehen ob die farbe abgeht etc...)
meine gastfamilie ist auch supernett und ich hoffe dass ich irgendwann mal durchblicken werde welche kinder zu wem gehoeren (mein gastvater weiss aber selber nicht wie viele schwestern er hat...)
heute hab ich auch meine erste schulstunde gehalten - franzoesisch.... ist leicht verwirrend weil die kinder noch zuwenig franzoesisch koennten als dass ich durchgehend franzoesisch reden koennte und darum muss ich staendig zurueck ins englisch wechseln... sprachchaos mal wieder...
soviel mal als ersten eindruck und als lebenszeichen... :-)
auf dem weiterflug bin ich natuerlich eingeschlafen - wer mich kennt weiss ja wie gut und tief ich ueberall schlafen kann... ich hab nichts von dem stopp in cote d ivoire mitbekommen und auch nicht gemerkt als in accra ploetzlich alle ausgestiegen und neue leute eingestiegen sind...auf alle faelle stand irgendwann mal eine lady vor mir die meine ausreisepapiere sehen wollte und ganz verwundert war dass auf meiner boardingcard casablanca-accra stand und nicht umgekehrt..... ich bin dann nix wie raus, aber mein abholservice natuerlich schon weg (der hatte bereits eine stunde umsonst gewartet...)
aber zum glueck sind hier alle so nett und hilfsbereit, und mich hat dann irgendein bekannter von irgendwem irgendwo hingefahren wo dann Gunadiish auf mich gewartet hat. Gunadiish ist der Koordinator von den Schulprojekten hier, nebenher noch Yogalehrer, Informatiker und Leiter der ersten homoeopathischen Klinik in Ghana... ein bisschen strub, aber sonst glaub ich ganz nett...
ja und jetzt eben Accra - es ist einfach nur heiss....... und schwuel...und darum sind Gunadiish und ich ins internet cafe gefluechtet - und ich komme zum ersten mal seit 50 stunden wieder in den genuss einer klimaanlage :-)
aber ansonsten ist es super bis jetzt - bin zwar noch mittendrin im kulturschock (das dauert wohl noch bis ich mich an die ganzen kinder gewoehne die an meiner haut rubbeln um zu sehen ob die farbe abgeht etc...)
meine gastfamilie ist auch supernett und ich hoffe dass ich irgendwann mal durchblicken werde welche kinder zu wem gehoeren (mein gastvater weiss aber selber nicht wie viele schwestern er hat...)
heute hab ich auch meine erste schulstunde gehalten - franzoesisch.... ist leicht verwirrend weil die kinder noch zuwenig franzoesisch koennten als dass ich durchgehend franzoesisch reden koennte und darum muss ich staendig zurueck ins englisch wechseln... sprachchaos mal wieder...
soviel mal als ersten eindruck und als lebenszeichen... :-)
Samstag, 12. Mai 2007
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